Ergebnisse

Das Ausmaß der Verluste

Das Nachtfalter-Projekt verbindet umfangreiche historische Aufzeichnungen mit einer zweijährigen systematischen Erhebung (2019–2020) in 25 über das Land verteilten Untersuchungsgebieten. In diesen zwei Jahren wurden aktuelle Nachtfalterdaten gezielt erhoben und durch weitere Nachweise aus der Zeit ab 2001 ergänzt.

Erst der Vergleich dieser aktuellen Daten mit den historischen Aufzeichnungen aus der Zeit bis zum Jahr 2000 macht sichtbar, wie tiefgreifend sich die Zusammensetzung der Arten in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Kurzfassung für eilige Leserinnen und Leser:

  • In allen 25 Untersuchungsgebieten ging die Zahl ökologisch anspruchsvoller Nachtfalterarten zurück.
  • Besonders hohe Verluste zeigen Arten der Roten Liste (Stand 2005) – also Arten, deren Bestände bereits damals in einem kritischen Zustand waren.
  • Populationen: Bei vielen Arten sind die Bestände bereits so individuenarm, dass ihr langfristiger Erhalt stark gefährdet ist.
  • Gleichzeitig haben sich wenig spezialisierte und insbesondere wärmeliebende Arten ausgebreitet oder sind neu eingewandert.
  • Dadurch veränderte sich die Artenzusammensetzung in den Lebensräumen deutlich – auch dort, wo die Gesamtartenzahl durch Zuwanderungen weniger stark gesunken ist.
  • Diese Veränderungen zeigten sich in naturschutzfachlich hochwertigen Schutzgebieten – also in den letzten verbliebenen Rückzugsräumen vieler Nachtfalterarten.
  • Viele Arten zeigen Areal- und Höhenverschiebungen, die im Zusammenhang mit Klimaerwärmung und Nutzungsintensivierung (vor allem in tieferen Lagen) stehen.

Einordnung: 

Wie sich diese Ergebnisse zur Krefeld-Studie verhalten

Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden häufig mit der Krefeld-Studie verglichen. Dabei entstehen leicht Missverständnisse, weil unterschiedliche Kennzahlen nebeneinandergestellt werden. Die Krefeld-Studie benennt einen Rückgang von rund 70 Prozent, während in dieser Untersuchung andere Prozentwerte erscheinen.

Die Krefeld-Studie zeigte einen Rückgang der Biomasse fliegender Insekten um rund 70 Prozent – also des Gesamtgewichts aller Individuen. Ein solcher Rückgang geht dem Artensterben voraus: Zuerst schrumpfen Populationen, später verschwinden Arten.

An diesem Punkt setzt das Nachtfalter-Monitoring an: Es zeigt, welche Arten verschwinden, welche bleiben – und wie sich die Zusammensetzung der Artengemeinschaften verändert hat.
Die Befunde beider Untersuchungen ergänzen sich und bestätigen gemeinsam das Ausmaß des Insektensterbens.

Zentrale Befunde im Überblick

Die folgenden Kacheln fassen die zentralen Befunde zusammen und führen jeweils zu einer vertiefenden Einordnung:

Artenschwund (Zeigerarten)

Rückgang der Nachtfalter-Arten

Spezialisierte Arten verschwinden, während wärmeliebende, anspruchslose Arten zunehmen oder neu hinzukommen.

Arten der Roten Liste

Rückgang der Nachtfalter-Arten der Roten Liste

Arten, die bereits in der Vergangenheit als bedroht galten, gehen überdurchschnittlich stark zurück.

Individuenzahlen

Rückgang der Nachtfalter-Individuenzahlen

Die Zahl der Nachtfalter-Individuen ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen.

Trend

Trend bei Nachtfalter-Arten

Über die Hälfte aller Nachtfalter-Arten ist mittlerweile rückläufig.

Verarmung Lebensräume

Verarmung der Lebensräume von Nachtfaltern

Viele Lebensräume bestehen äußerlich weiter, verlieren aber ihre ökologische Qualität.

Areal- & Höhenverschiebungen

Areal- und Höhenverschiebungen

Kälteangepasste Arten verlieren geeignete Lebensräume, wärmeliebende Arten breiten sich aus.

Die folgenden Ergebnisse zeigen, welche Konsequenzen dies für Arten, Lebensräume und Schutzgebiete hat.

Rückgang der Artenvielfalt

Die Artenvielfalt in vielen Lebensraumtypen hat stellenweise drastisch abgenommen, wie dieses Beispiel aus Rottenburg a. Neckar für Magerrasen und offene Felsbereiche zeigt:

Poster zum Verlust der Artenvielfalt in Rottenburg
In Rottenburg a. Neckar sind zahlreiche Arten der Magerrasen seit der Jahrtausendwende verschollen.

Gesamt-Entwicklung der Arten

Biodiversitätsverlust und Arten-Wandel

392

Arten

279

Arten

- 29 %

113

Arten

65

17 % neu

71 % bestätigt

29 % verschollen

Durchschnittliche Verluste und  neu aufgetretene Arten auf allen 25 Untersuchungsflächen

Was der Vergleich zeigt:

Bisherige Arten

  • Im Altzeitraum (1971-2000) wurden im Durchschnitt 392 Arten in jedem Untersuchungsgebiet nachgewiesen.
  • Im Zeitraum nach der Jahrtausendwende (2001–2020) waren davon im Mittel nur noch 279 Arten nachweisbar – das entspricht 71 %.

Hinzugekommene Arten

  • Zusätzlich wurden seit der Jahrtausendwende im Mittel 67 Arten pro Gebiet neu nachgewiesen (ca. 17 %).
  • Diese Zunahmen gleichen die Verluste jedoch nicht aus: Es handelt sich häufig um wärmeliebende, anspruchslose Arten, die mit veränderten Bedingungen besser zurechtkommen.
  • Heute fehlen in vielen Gebieten vor allem jene Arten mit spezifischen Lebensraumansprüchen – wichtige Zeiger für die ökologische Qualität.
  • Das Ergebnis ist ein deutlicher Artenwechsel: Selbst wenn die Gesamtzahl teils weniger stark sinkt, verändert sich die Zusammensetzung der Artengemeinschaften grundlegend.

Starke Verluste
in besonders artenreichen Hotspots

  • Im Altzeitraum wiesen noch 11 der 25 Untersuchungsgebiete mehr als 400 Nachtfalterarten auf.
  • Nach der Jahrtausendwende trifft dies nur noch auf 4 Gebiete zu.

Zur Einordnung:
Die genannten Werte sind Durchschnittswerte, die die Dimension des Wandels verdeutlichen. Welche Arten im Einzelnen verschwinden, unterscheidet sich von Gebiet zu Gebiet.
Gemeinsam ist allen Untersuchungsflächen jedoch das Muster: 
Spezialisierte Arten gehen zurück – wärmeliebende, anspruchslose Arten nehmen zu.

Arten der Roten Liste

Gefährdete Arten besonders betroffen

Nachtfalter der Roten Listesind Arten, deren Bestände als rückläufig oder bedroht eingestuft werden. Sie reagieren besonders sensibel auf Veränderungen ihrer Lebensräume und stehen daher im Fokus des Naturschutzes.
Viele dieser Arten kommen heute fast ausschließlich in Schutzgebieten vor.

Der Vergleich mit den historischen Daten zeigt: Von den Nachtfalterarten, die im Altzeitraum bereits als gefährdet galten, ist heute im Mittel nur noch etwa jede zweite in den Untersuchungsgebieten nachweisbar.

61

Arten

32

Arten

- 48 %

29

Arten

19

31 % neu

52 % bestätigt

48 % verschollen

Im Durchschnitt ging rund die Hälfte der ehemals nachgewiesenen Rote Liste-Arten in den 25 Untersuchungsgebieten verloren.

Was der Vergleich zeigt:

  • Im Altzeitraum wurden im Durchschnitt 61 bedrohte Nachtfalterarten pro Untersuchungsgebiet nachgewiesen.
  • Nach der Jahrtausendwende konnten davon im Mittel nur noch 32 Arten bestätigt werden – knapp die Hälfte.
  • 19 Arten (= 31 Prozent) kamen neu hinzu. Hierbei handelt es sich in den allermeisten Fällen um wärmebedürftige mediterrane Arten.

Damit verzeichnen jene Arten die stärksten Rückgänge, deren Bestände schon vor Jahrzehnten als kritisch und besonders schutzbedürftig eingestuft wurden.

Diese Rückgänge treten in naturschutzfachlich hochwertigen Schutzgebieten auf – also in den letzten verbliebenen Rückzugsräumen dieser Arten!

Die Ursache liegt nicht in einzelnen Schutzgebieten und ihren Schutzmaßnahmen. Vielmehr wirken äußere Belastungen auf die meist zu kleinen und isolierten Flächen:
Pestizid- und Stickstoff-Einträge durch Nutzungsintensivierung im Umfeld und klimatische Veränderungen.

Grundlage dieser Auswertung ist die Rote Liste der Nachtfalter Baden-Württembergs aus dem Jahr 2005. In der inzwischen aktualisierten Fassung (2025) mussten viele Arten hochgestuft werden. 

Rote Liste

Die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten wird durch die Einstufung in Rote-Liste-Kategorien wiedergegeben. Dabei bedeuten (nach der Roten Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands des Bundesamtes für Naturschutz 1996):

Kategorie Bedeutung
0 ausgestorben oder verschollen
1 vom Aussterben bedroht
2 stark gefährdet
3 gefährdet
R extrem seltene Art oder Art mit geographischer Restriktion
V Vorwarnliste
* ungefährdet

Download

Rote Liste der Schmetterlinge Baden-Württembergs (2005):

Ebert, G., Hofmann, A., Karbiener, O., Meineke, J.-U., Steiner, A. & Trusch, R.(2005): Rote Liste und Artenverzeichnis der Großschmetterlinge Baden-Württembergs

Rote Liste der Schmetterlinge Baden-Württembergs (2025):

Steiner, A. & Trusch, R. unter Mitarbeit von
T. Bamann, D. Bartsch, S. Hafner, G. Hermann, A. Hofmann, O. Karbiener, J.-U. Meineke, R. Mörtter,
E. Rennwald, R. Schick

Langfristiger Trend

Die Mehrheit der Arten nimmt ab

Über alle untersuchten Gebiete hinweg zeigt sich ein deutlicher Trend:
Mehr als die Hälfte der Nachtfalterarten ist rückläufig (also in weniger Untersuchungsflächen nachgewiesen als vor der Jahrtausendwende), während nur ein Viertel der Arten sich ausbreiten konnte.

Besonders auffällig ist, dass viele der heute rückläufigen Arten 2005 noch nicht als gefährdet galten. Der Gefährdungsstatus zahlreicher Arten hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte deutlich verschärft, was in der neuen Roten Liste von 2025 zum Ausdruck kommt.

Neu hinzugekommene Arten

Kein Ersatz für die Verluste

In den Untersuchungsgebieten wurden nach der Jahrtausendwende auch neue Nachtfalterarten nachgewiesen. Diese Neuzugänge gleichen die Verluste jedoch ökologisch nicht aus:

Verloren gehen vor allem spezialisierte Arten von Offenland-Biotopen – z. B.  von Magerrasen, extensiv genutztem Grünland oder Mooren. Diese Arten verfügen über genetische Anpassungen an sehr spezifische Standortbedingungen und sind oft an lokale Gegebenheiten seit Jahrtausenden angepasst. 

Die neu hinzukommenden Arten sind dagegen überwiegend anspruchslos und oft wärmeliebend. Sie profitieren von steigenden Temperaturen und kommen in allgemein verbreiteten Lebensräumen vor (z. B. Gebüsche, nährstoffreiche Wiesen und Weiden).

Ihre Zunahme kann den Eindruck ökologischer Stabilität erzeugen, verdeckt aber den fortschreitenden Verlust hochwertiger Offenland-Biotope mit ihren spezialisierten Arten.

  • Die Zuwanderung neuer Arten ersetzt die Verluste nicht.
  • Verloren gehen spezialisierte Offenland-Arten, neu hinzu kommen wärmeliebende Generalisten.
  • Die Gesamt-Entwicklung bedeutet unwiederbringliche Verluste von Arten mit genetischen Anpassungen an lokale Gegebenheiten!

    Zeiger des Klimawandels

    Das Kleine Eichenkarmin ist ein Beispiel für eine Art, die von steigenden Temperaturen profitiert. Ihre Ausbreitung ist klimabedingt – nicht Anzeichen für eine ökologische Erholung.

    Kleines Eichenkarmin
    Catocala promissa
    Nachtfalter Kleines Eichenkarmin, Catocala promissa

    Das wärmeliebende Kleine Eichenkarmin ist ein sogenannter „Klimawandel-Gewinner“.

    Die Art gilt als typischer Indikator klimabedingter Veränderungen. Stellvertretend für viele weitere Arten steht ihre Ausbreitung für einen grundlegenden Wandel  der Artenzusammensetzung – nicht für eine ökologische Erholung.

    Die mediterrane Art lebt in wärmebegünstigten Waldrändern und Gebüschen und konnte sich seit der Jahrtausendwende von 5 auf 10 Quadranten ausbreiten:

    Grafik Zunahme von Catocala promissa in den Probeflächen

    Veränderung des
    Artenspektrums der Habitate

    Lebensräume verarmen

    In allen 25 Quadranten wurde für jede Art erfasst, in welchen Lebensraumtypen (Habitaten) sie im historischen Zeitraum vorkam – und ob sie nach der Jahrtausendwende dort noch nachgewiesen werden konnte.
    Maßgeblich ist dabei der sogenannte Gebiets-Nachweis: Er zeigt, ob eine Art in einem bestimmten Habitat eines Gebietes überhaupt noch vorkommt – unabhängig von der Anzahl der Individuen.

    Der Befund ist eindeutig:
    Die durchschnittlichen Gebiets-Nachweise der Nachtfalterarten sind in allen untersuchten Lebensraumtypen zurückgegangen.

    Besonders stark betroffen sind Offenland-Biotoptypen, darunter
      •  Feuchtgrünland,
      •  Magerrasen, Fels- und Heidebiotope sowie
      •  extensiv genutzte Wiesen und Weiden.

    Aber auch in strukturreichen Lebensräumen wie beerstrauchreichen Nadelwäldern sowie feuchten Gebüschen und Säumen konnten viele Arten nach der Jahrtausendwende deutlich seltener bestätigt werden.

    Das bedeutet: Selbst dort, wo die Lebensräume äußerlich noch vorhanden sind, verlieren sie zunehmend ihre charakteristischen Arten.

    Die folgende Abbildung zeigt, wie stark die Gebiets-Nachweise in den verschiedenen Lebensraumtypen im Durchschnitt zurückgegangen sind.

    Grafik zum Rückgang der Gebietsnachweise von Nachtfaltern in unterschiedlichen Lebensraumtypen in Baden-Württemberg

    Rückgang der Gebiets-Nachweise von Nachtfaltern in unterschiedlichen Lebensraumtypen in Baden-Württemberg

    • Die durchschnittlichen Gebiets-Nachweise der Arten sind in allen Lebensraumtypen zurückgegangen. 
    • Besonders betroffen sind die Offenland-Biotoptypen, insbesondere Feucht-Grünland, Magerrasen/Fels/Heide und extensive Wiesen & Weiden. 
    • Auch in den beerstrauchreichen Nadelwäldern sowie den feuchten Gebüschen und Säumen konnten viele Arten nach der Jahrtausendwende deutlich seltener bestätigt werden.

      Beispiele

      Arten, die aus ihren Habitaten weitgehend verschwunden sind

      Trockenrasen-Flechtenbärchen

      Setina irrorella
      Foto eines Magerrasens in Wormental, WerbachNachtfalter Trockenrasen-Flechtenbärchen, Setina irrorella
      Lebensraum
      des Flechtenbärchens:
      Felsdurchsetzter Magerrasen
      (Wormental, Werbach)

      Ehemals weit verbreitete Art von Magerrasen, Felsfluren und Heidemooren. Die Raupen fressen an Felsflechten und Moosen. 

      Rückgang von 11 auf 2 Quadranten

      Röhricht-Goldeule

      Plusia festucae
      Foto einer Feuchtwiese in Oberbruchwiesen, Graben-NeudorfNachtfalter Röhricht-Goldeule, Plusia festucae
      Lebensraum
      der Röhricht-Goldeule:
      Feuchtgebiets-Komplex
      (Oberbruchwiesen, Graben-Neudorf)

      Ehemals weit verbreitete Feuchtgebiets-Art. Die Raupen fressen an Feuchtgebiets-Pflanzen (z. B. Rohrkolben, Schilf, Seggen, Schwertlilie)

      Rückgang von 21 auf 6 Quadranten

      Areal- und Höhenverschiebungen

      Arealverschiebungen:

      Von kontinental zu mediterran

      Baden-Württemberg liegt im Übergangsbereich zwischen kontinentalen, atlantischen und mediterranen Klimaeinflüssen. Entsprechend kommen hier Nachtfalterarten mit sehr unterschiedlichen Arealen vor, also mit unterschiedlich geprägten klimatischen Herkunftsgebieten.

      Von den rund 950 Nachtfalter-Arten des Landes sind rund 19 % mediterran getönt. Kontinental getönte Arten bilden mit rund 73 % den Hauptanteil unserer heimischen Nachtfalter.

      Im Durchschnitt haben auf den 25 Quadranten die mediterranen Arten um 7 % zugenommen - obwohl es einen generellen Verlust von minus 12 % an Arten gibt. Die kontinental getönten Arten haben hingegen überdurchschnittlich stark, nämlich um 15 % abgenommen.

      • Mediterran geprägte, wärmeliebende Arten nehmen zu
      • Kontinental geprägte Arten gehen überdurchschnittlich stark zurück
      • Atlantisch geprägte Arten zeigen ebenfalls rückläufige Tendenzen

      Beispiel einer kontinentalen Art

      Herbst-Zackenrandspanner

      Ennomos autumnaria

      Diese kontinentale Art kann als „Klimawandel-Verlierer“ gelten. Als alleinige Erklärung für die Rückgänge reichen die klimatischen Veränderungen aber nicht aus (wie überhaupt bei Rückgängen meist eine Kombination an negativen Einflüssen vorliegt). Auch Habitat-Beeinträchtigungen spielen eine wichtige Rolle.

      Rückgang von 5 auf 1 Quadranten
      Foto Waldrand am FederseeNachtfalter Herbst-Zackenrandspanner, Ennomos autumnaria
      Lebensraum
      des Herbst-Zackenrandspanners
      Die Art lebt in (feuchten) lichten Wäldern, Gebüschen und Parkanlagen; Die Raupen entwickeln sich an diversen Gehölzen, unter anderem an Eiche;
      (Hier: Federsee-Gebiet)

      Verschiebungen entlang der Höhenstufen

      Neben der Verschiebung der Areale zeigen die Daten auch Veränderungen entlang der Höhenstufen.

      Die Höhenstufen in Baden-Württemberg reichen von 80 m am Rhein bis auf knapp 1.500 m auf dem Feldberg im Hochschwarzwald.

      Die Höhenverbreitung der Nachtfalter ist entsprechend ihrer Habitatansprüche teilweise sehr spezifisch. Da sie für jede Art durch das umfassende Grundlagenwerk "Die Schmetterline Baden-Württembergs" bereits detailliert dokumentiert war, konnten Veränderungen entlang der Höhenstufen  systematisch ausgewertet werden.

      Arten der höheren Lagen besonders unter Druck

      Die Grafik zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Höhenstufen: Nachtfalterarten, die bereits vor der Jahrtausendwende ihren Schwerpunkt im montanen und hochmontanen Bereich hatten, sind überdurchschnittlich stark zurückgegangen. Arten der tieferen, planaren Lagen sind dagegen im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt weniger stark rückläufig.

      Grafik: Veränderungen nach Höhenstufen – Rückgänge in allen Lagen, besonders stark bei Arten höherer Lagen.

      Das bedeutet jedoch nicht, dass die Lebensräume in den Tieflagen in einem guten Zustand wären – dort ist die Nutzungsintensität meist besonders hoch. Einige Arten konnten aber teilweise ausweichen, indem sie infolge der Klimaerwärmung auch höhere Lagen besiedelten.

      Für Arten der höheren Lagen gilt dies nicht: Sie sind an kühlere Bedingungen gebunden und haben kaum weitere Ausweichmöglichkeiten.

      • In tieferen Lagen gehen viele Arten zurück, können aber teilweise in höhere Lagen ausweichen.
      • Arten mit Schwerpunkt in montanen und hochmontanen Lagen sind am stärksten betroffen. 
        Diese Arten sind an kühlere Bedingungen gebunden und verfügen kaum über Ausweichmöglichkeiten.

      Mondfleckglucke

      Cosmotriche lobulina

      Die Raupen der Mondfleckglucke entwickeln sich an Fichte und anderen Koniferen. Aktuell verzeichnet diese kontinentale Art, die an kühlfeuchte Lebensräume gebunden ist, starke Rückgänge und zieht sich in montane Lagen und Moore Oberschwabens zurück. 

      Rückgang von 17 auf 4 Quadranten
      Grafik, die den Rückgang des Nachtfalters in Baden-württemberg zeigt
      Foto Silberbrunnental im HotzenwaldNachtfalter Mondfelckglucke, Cosmotriche lobulina
      Lebensraum
      Die Mondfleckglucke lebt in Tannen-Fichten-Wäldern und in Mischwäldern;
      (Hier: Silberbrunnental im Hotzenwald, Schwarzwald)
      Messtischblätter und Quadranten

      Ein Quadrant ist das Viertel eines Messtischblattes der Topographischen Karte im Maßstab 1:25.000 (TK25).
      Fläche: ca. 6 km X 6 km

      Was diese Veränderungen antreibt, wird auf der Seite „Ursachen“ eingeordnet.

      Zu den Ursachen
      Messtischblätter und Quadranten

      Ein Quadrant ist das Viertel eines Messtischblattes der Topographischen Karte im Maßstab 1:25.000 (TK25).
      Fläche: ca. 6 km X 6 km

      Die Schmetterlinge Baden-Württembergs

      Das von Günter Ebert herausgegebene umfangreiche Grundlagenwerk umfasst 10 Bände und behandelt nahezu alle Schmetterlingsarten Baden-Württembergs.